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atelier D Leitung: Suncana Dulic, Rohrteichstraße 30, 33602 Bielefeld Tel: 0521-58495420
Michael Strauß
GASSENhauer Untersuchungen über die Auflösung der Gestalt 
Ausstellung vom 22.02.2020 - 18.04.2020
Es ist nun die dritte Ausstellung, die Michael Strauß im atelier D zeigt. Die erste im Jahr 2013 war stark bildhauerisch geprägt, mit fast menschengroßen Figuren aus Karton, die vor einem gemalten Hintergrund aus breiten Papierbahnen zu sehen waren. 2017 zeigte er Dioramen, bei denen er die Figuren aus Papier aus einer Oberfläche heraustreten ließ. Nun verzichtet er gänzlich auf den bildhauerischen Teil seiner Arbeit und beschränkt sich auf die Fläche, genauer gesagt, auf die reine Malerei.
Kein Land für alte Zeiten, 80x60 cm, Lack und Collage auf Hartfaserpltte, 740,-
Gegenfeuer, 60x42 cm, Lack und Collage auf Hartfaserplatte, 540,-
Begalo, 60x42 cm, Lack und Collage auf Hartfaserplatte, 540,-
Er macht es sich nicht leicht, denn er verwendet für seine Bilder nicht die feinen Künstler- farben, sondern die bockigen Farben und Lacke, die durchschnittliche Baumärkte zu bieten haben. Warum macht er das? Dies ist Teil eines umfassenden Konzeptes, bei dem er als studierter Künstler alle akademischen Kenntnisse beiseitelegen will, also konsequenterweise auch das klassische Material.
Am Rande der Nacht, 85x45 cm, Lack auf Hartfaserplatte, 690,-
Im Sommer tut’s gut und im Winter tut’s weh, 60x45 cm, Lack auf Hertfaserplatte, 560,-
Kann man sich als akademischer Künstler wieder in den Zustand eines malenden Anfängers versetzen? Kann man sein Wissen und sein Können vergessen? Es gibt in der Kunst eine Reihe von Malern, die bewusst naiv und kindlich kritzeln und schmieren, aber das hat Michael Strauß nicht gemacht. Er hat stattdessen versucht, berechnende Mechanismen auszuschalten und radikal ehrlich an die Arbeiten heranzugehen. Hierbei hat Michael Strauß Grundregeln aufgestellt, an die er sich konsequent halten will:
1.Beim Prozess des Malens kommt es nicht darauf an, dass ein Bild entsteht. 2. Während des Malprozesses ist es vollkommen gleichgültig, ob ein möglicherweise entstehendes Bild gut wird oder nicht. 3. Ob das Ergebnis des Malens die Kriterien eines Bildes erfüllt und ob dieses gut ist, entscheidet sich erst nach einer Zeit des Nichtbetrachtens. 4. Eine nicht gefällige Stelle in einem Bild zu übermalen, ist zu vermeiden. 5. Wird ein Bild im Nachhinein geändert, muss es insgesamt in Frage gestellt bzw. neu gesehen werden. 6. Ist das gemalte Bild zu dicht an der wahrnehmbaren Erscheinung, drängt es die Möglichkeit der Bereicherung durch assoziierte Gestaltaspekte seitens des Betrachters zurück. Daher ist nicht der abbildende Anteil des Bildes, sondern der abstrahierte Anteil entscheidend. Die bildnerische Abstraktion ist besonders stark, wenn sie, obschon aus dem Wahrgenommenen ableitbar, überraschend ist. Aktuell bleibt die bildnerische Abstraktion, solange sie die Zeit, in der sie gemalt wird, reflektiert.
Hongkong ll, 40x29 cm Lösungsmittel und Lack auf Fotodruck, 250,-
Hongkong l, 40x29 cm, Lösungsmittel und Lack auf Fotodruck, 250,-
Vorgerückt, 38x28 cm, Lösungsmittel und Lack auf Fotodruck, 240,-
Dem aufmerksamen Leser fällt jetzt vielleicht auf, dass mit diesen Grundregeln, kein festes Thema oder mögliche Inhalte der Bilder beschrieben werden. Es ist der Versuch, ohne die Klammer von enger thematischer Vorplanung eines Projektes, eine neue Serie entstehen zu lassen. Wichtig ist hier das Unmittelbare und Ungeplante. Hier badet der Künstler in der Welt der Bilder und bleibt an bestimmten Stellen hängen, wie ein Passant, der an einer Ecke etwas entdeckt hat, was ihn zum Anhalten bringt. Manchmal ist es auch so gewaltig, dass er stark stoppen muss, vielleicht nicht mehr weitergehen kann.
Divergenz, 60x42 cm, Lack und Collage auf Harfaserplatte, 540,-
Ungleichgewicht, 60x42 cm, Lack und Collage auf Hartfaseplatte, 540,-
Hierzu schreibt Michael Strauß: „Unsere Welt ist eine der Allgegenwart digitalisierter Bilderfluten. Alles mischt sich in den Köpfen der Menschen auf teilweise groteske Weise. Rauchschwaden brennender australischer Wälder ziehen gemeinsam mit dem von Sicherheitskräften Honkongs freigesetztem Tränengas durch die Weltwahrnehmung von Milliarden Nutzern sozialer Netzwerke. Szenen der Aufstände in Caracas stehen Seite an Seite mit Szenen der französischen Gelb- westenbewegung. Allem gemeinsam ist der Geschmack, dass irgendetwas geschieht, das weiter reicht, als sich die meisten Menschen das vorstellen können. Die Zeit eines unabsehbaren Um- bruchs scheint nahe. Was ist das für eine Welt, in der der amerikanische Präsident es nötig hat, vor den Augen der Weltöffentlichkeit, eine 17jährige Umweltaktivistin zu verspotten. In meinen Bildern notiere ich meine Wahrnehmung der Welt.“
Unter Brücken, 50x26 cm, Lack auf Hartfaseplatte, 400,-
Hause, 50x26 cm, Lack auf Hartfaserplatte, 400,-
Die Bilder spiegeln die Dramatik unserer Zeit wider. Sie sind wie gehetzt, wie ein Rausch. Viele Dinge spielen sich auf der Straße ab. Man kann oft nur ahnen, worum es geht. Es weht der Zeit- geist von Gewalt und Veränderung um die Häuser. Die Gassen sind zu eng, die Plätze zu weit und in ihnen der Mensch, der sich fast darin auflöst, weil es ihn scheinbar gleichzeitig zu etwas hin oder von etwas weg zieht. Alles ist in Bewegung und alles drängt sich auf. Diese Ausstellung mit dem Titel „GASSENhauer“ ist die Verschmelzung unserer realen und der digitalen Welt. Der Künstler ist der Komponist und der Filter dieses großen Spektakels und sorgt dafür, dass wir uns nicht einlullen lassen, von der süßen Melodie des Mainstreams, sondern auf den Lärm der Zeit hören. Text: S. Dulić , Bilder: M.Strauß und S.Dulic
Lageenergie, 60x42 cm, Lack und Collage auf Hartfaserplatte, 540,-